Nach oben

Kunst und Retail

Wie duch Kooperationen zwischen Marken und Künstlern Neues entsteht

Ende September fand im Hyatt im Düsseldorfer Hafen der dritte Biz Dialogue in Medienpartnerschaft mit Design Lodge statt. Dabei ging es um ein ganz besonderes Thema: Kunst und Retail. Design Lodge Herausgeberin Natalie Häntze hatte mit Thole Rotermund einen hochkarätigen Kunstkenner als Referenten gewinnen können. Der renommierte Hamburger Kunsthändler gab nicht nur Einblicke in den Kunstmarkt, sondern erläuterte in seinem Impulsvortrag spannende Aspekte zu Kooperationen großer Marken mit unterschiedlichen Künstlern. Zusammen mit Vizona-CEO Thomas Burkard und Peter Hartmann, Int. Sales Director, nahmen u. a. Ralph Hürlemann, Managing Director Wahlbusch, Jörg Zeiger, Head of Retail Triumph und Tobias Conrad, Head of Shop Design Deutsche Telekom, an der Veranstaltung teil.

Kunst und Mode auf der Gestaltungsebene funktioniert schon eine ganze Weile ziemlich erfolgreich. Von Künstlern haben Designer gelernt, durchaus ironisch und subversiv mit der eigenen Marke umzugehen. Lange Zeit beschränkten sich Kooperationen zwischen renommierten Künstlern und großen Modemarken vor allem auf die Gestaltung gemeinsamer Kollektionen, bei denen die Kunst das Produkt der Marke als Projektionsfläche nutzte, um es mit eigener Handschrift zu branden. Gerne provokant und grenzüberschreitend. Immer aber als ein Objekt der Begierde, weil es nun weit mehr als ein von Designerhand geschaffenes Teil, nämlich ein avantgardistisches It Piece geworden war.

Fendi setzte für das Remake der Baguette 2014 auf Rhianna und Sarah Jessica Parker, Louis Vuitton kollaborierte mit dem schrillen Bling-Bling-Künstler Jeff Koons. Das Haus Dior folgte, um der legändere Miss Dior ein künstlerisches fresh-up zu geben. Wert wurde nicht nur auf kreative Vielfalt, sondern vor allem auch auf Diversität gelegt, um unterschiedliche Altersgruppen, Nationalitäten und natürlich ästhetische Stilwelten anzusprechen. Der in diesem Jahr verstorbene Pop Art-Künstler John Giorno punktete in alter 60th-Manier, in dem er „You got to burn to shine“ und „We gave a party fort the gods and the gods all came“ auf zwei Taschen verewigte. Auch in diesem Jahr gibt es bereits die vierte Kollektion, die von elf internationalen Künstlern gestaltet wurde. Mit dabei u.a. Wang Guangle, der als Pionier der konzeptionellen Malerei in China gilt.

Vor einiger Zeit schuf der kanadische Künstler Andy Dixon eine Bildserie mit knallbunten Versace-Hemden. Er kreierte eigene Muster, blieb aber in der Designsprache der Marke. In diesem Jahr realisierte er nach dieser Idee sogar eine Skulptur – ein übergroßes Hemd. Es wundert daher nicht, dass in der Folge eine Kooperation zwischen Dixon und dem italienischen Luxushaus entstand. Die Skulptur wurde anlässlich der Mailänder Design Week im Rahmen der Versace-Home-Collection präsentiert. In der Sommerkollektion 2020 ist Dixon nun auch mit eigenen Pieces vertreten. Was ist passiert?

Dominierten Künstler zunächst die Fashionkollektionen mit ihrem Stil und schmückten sich Marken mit der provokanten Handschrift eines Künstlers, findet nun ein eher fließender kreativer Austausch auf Augenhöhe statt. Jeder behält seine gestalterische Identität und etwas gemeinsames Neues entsteht.



Im Retail-Design ist seit einiger Zeit ein ähnlicher Prozess zu verfolgen. Wenn auch noch etwas holprig. Plastiken und großformatige Bilder haben Einzug in große Markenstores gehalten, um hier für eine gestalterische Tiefe oder hippe Attitüde zu sorgen. Auch orientieren
sich Interieur-Designer gerne an der kühlen Atmosphäre einer Galerie und lassen sie zur Formsprache von Retail-Konzepten werden.

Allerdings, ein fließend selbstverständlicher Prozess wie bei den Designkollegen aus der High-Fashion ist es noch nicht geworden. Das Interesse hingegen ist groß. Die Telekom etwa kooperiert mit lokalen Künstlern, um Wände direkt von ihnen gestalten zu lassen. Und das Kunst auch auf eine sehr traditionelle Weise unaufgeregt und erfolgreich funktioniert, bewies Wahlbusch mit einer kürzlich lancierten Capsule, die von einem Einstecktuch aus Blaudruck als feines Give Away begleitet wurde. Das Accessoire entstand im ostfriesischen Jever in traditioneller Handwerkskunst.

Kunst muss eben nicht immer große Namen haben, sondern vor allem echt sein und einen authentischen Zusammenhang mit der Marke haben. Der Biz Dialogue in Düsseldorf hat einmal mehr gezeigt, wie inspirativ und wichtig ein Austausch auch über zunächst ungewöhnliche Themen sein kann.

© Text: DesignLodge
© Fotos: Steffen Kugler

Sie möchten ebenfalls an einem BIZ Dialogue teilnehmen? Wenden Sie sich an Peter Hartmann.